Vergeben

 
 
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FRIEDEN MIT SICH SELBST SCHLIESSEN


Um von tiefen Aversionen gegen andere und uns selbst frei zu werden, müssen wir vergeben lernen können. Vergebung schafft Raum für Erneuerung und für ein Leben, das von den Fesseln der Vergangenheit frei ist. Wenn unsere früheren Taten oder die Taten anderer uns zu Gefangenen unserer Vergangenheit machen, können wir unser momentanes Leben nicht voll leben. Der Groll, der erlebte Schmerz, das unwillkommene Vermächtnis aus der Vergangenheit, das alles verschliesst unser Herz und verengt unsere Welt.

Worte des Buddha:
«Hass wird nie durch Hass aufhören. Hass kann nur durch Liebe besiegt werden.»

Vergebung kann Kräfte wie Liebe erblühen lassen, und kräftigt Eigenschaften wie Geduld und Mitgefühl. Nur im tiefsten Mitgefühl mit uns selbst können wir die Voraussetzungen für eine unbehinderte Liebe schaffen, die Trennungen aufhebt und uns von der doppelten Last zutiefst verletzender Schuldgefühle einerseits und einer ständig unaufgelösten Wut anderseits befreien. Vergeben ist viel schwieriger als Nichtvergeben. Es ist nicht einfach, an jenen Ort in uns vorzudringen, der vergeben und lieben kann. In gewisser Weise ist die Fähigkeit des Vergebens ein so tiefes Loslassen, dass es dem Sterben ähnelt. Wir müssen sagen können: «Ich bin nicht mehr, wer ich war; du bist nicht mehr, wer du warst.»

Vergeben bedeutet nicht, etwas Unheilsames gutzuheissen oder Ungerechtigkeit und Leid zu leugnen. Vergeben bedeutet niemals, Gewalt oder Missbrauch tatenlos zuzusehen, sondern es ist das innere Loslassen von Schuldgefühlen oder Groll, die uns letztendlich zerstören. Wenn die Vergebung in uns erstarkt, kann sie sich auf vielerlei Weise äussern: Vielleicht wollen wir etwas wiedergutmachen, vielleicht fordern wir Gerechtigkeit, beschliessen, dass man uns besser behandeln soll, oder wir lassen einfach eine Situation hinter uns.

Vergeben verlangt Mut, weil uns diese Übung immer an die Grenze dessen führt, was wir verkraften können. An der Grenze zu sein ist herausfordernd, erschütternd und verängstigend. Es verlangt die ständige Erinnerung daran, worin unser tiefstes Glück besteht. Es ist ein Prozess, und das bedeutet, dass beim Üben viele widersprüchliche Gefühle auftauchen können: Scham, Wut, ein Gefühl des Betrogenseins, Verwirrung oder Zweifel. Versuche diese Gefühle kommen zu lassen, ohne sie zu bewerten. Diese Meditation besteht aus drei Teilen: alle um Vergebung zu bitten, die du verletzt hast; allen zu vergeben, von denen du verletzt wurdest; sich selbst zu vergeben. Dies kann durch das Wiederholen von Sätzen geschehen, wie:

«Sollte ich jemanden verletzt oder gekränkt haben, bewusst oder unbewusst, erbitte ich seine Vergebung.»
«Sollte mich jemand verletzt oder gekränkt haben, bewusst oder unbewusst, vergebe ich ihm.»
«Wie immer ich mich selbst verletzt oder mir geschadet habe, bewusst oder unbewusst, ich vergebe mir.»

Mache diese Übung zum festen Bestandteil deiner täglichen Meditation und erlaube den Kräften der Intention, sich seinen eigenen Weg zu bahnen.

Wenn man Frieden mit sich selbst schliesst, schliesst man Frieden mit der Welt!    


Quelle:
Metta Meditation von Sharon Salzberg

Foto:
Ferdinand Feng on unsplash

 
Claudia Furrer