Mulla Nasruddin saβ im Teehaus, als ein Freund aufgeregt auf ihn zukam. «Ich werde heiraten, Mulla», verkündete sein Freund, «und ich bin so aufgeregt. Mulla, hast du selber jemals ans Heiraten gedacht?»
Nasruddin antwortete: «Ich dachte in der Tat daran, zu heiraten. In meiner Jugend wünschte ich es mir sogar sehr stark. Ich wartete darauf, daβ ich die perfekte Frau für mich finden würde. Ich reiste umher auf der Suche nach Ihr, zuerst nach Damaskus.
Dort traf ich eine schöne Frau, sie war anmutig, gütig und zutiefst spirituell, aber sie besaβ kein weltliches Wissen. Ich reiste weiter und ging nach Isfahan.
Dort traf ich eine Frau, die sowohl spirituell als auch weltlich und in vieler Hinsicht schön war, aber wir konnten uns nicht so gut verständigen. Schlieβlich ging ich nach Kairo, wo ich sie nach langem Suchen fand.
Sie war tief spirituell, anmutig und schön in jeder Hinsicht, zu Hause in der Welt und zu Hause in den Bereichen des Jenseits. Ich fühlte, daβ ich die perfekte Frau gefunden hatte.» Sein Freund fragte weiter: «Und hast du sie nicht geheiratet, Mulla?»
«Leider nicht», sagte Nasruddin, während er den Kopf schüttelte, «den unglücklicherweise wartete sie auf den perfekten Ehemann.»
Sufi
aus dem Buch:
Geschichten, die der Seele gut tun
Jack Kornfield & Christina Feldmann